PRESSE
Nele Perpeet und Joachim Raff begeistern im ALZ mit ihrem Kabarettprogramm von Kästner bis Tucholsky.

Ein Parforce-Ritt durch 30 Jahre Kabarett.

Der Veranstaltungssaal im Arbeitslosenzentrum am Westwall war gut besucht. Rund 45 Zuhörende lockten Nele Perpeet und Joachim Raff am 03.12.2013 um 19.00 Uhr mit ihrem spannenden Kabarettprogramm „Teuflisch gute Texte 1925-1955“ ins ALZ. Stücke von Tucholsky bis Kästner; von Robert Gilbert bis Max Werner Lenz zogen die Besucher in den Bann. Die Texte haben nichts von ihrer Aktualität verloren. So etwa Hans Hayns „Lied der Arbeitslosen“ aus dem Jahre 1928. Zeigen sich Parallelen zum Hier und Jetzt auf, wenn Nele Perpeet mit kräftiger, akzentuierter Stimme rezensiert: „Vom Morgenrot bis in die Nacht hab ich um Arbeit nachgefragt“. So erinnert diese Zeile doch an die auch heute noch mühselige und oft erfolgslose Stellensuche erwerbsloser Menschen. Was auch nicht verwundert: 12.758 erwerbslosen Menschen in Krefeld stehen im Oktober 2013 lediglich 1.156 offene Stellen gegenüber. In „ Mensch ohne Pass“, einem Text von Max Werner Lenz aus dem Jahr 1935 rezitiert Joachim Raff gefühlvoll: „Man scheucht mich heimlich über fremde Grenzen, bis ich krepiere – durch Gesetz und Recht. Denn ich bin ein unangemeldetes Leben. Und brauche keinen Paß. Dann steh ich drüber und nicht mehr daneben, über den Grenzen und dem Haß“. Die Liedzeilen beschreiben deutlich die Lebensumstände deutscher MigrantInnen auf der Flucht vor dem faschistischen Terror. Doch auch die Bilder von den EU-Außengrenzen steigen in einem auf, von Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken oder zurück in die Wüste geschickt werden. Dieser aktuelle Bezug und die schnörkellose Interpretation dieser doch schon älteren Texte durch Nele Perpeet und Joachim Raff begeisterte die Zuhörenden im ALZ. Ein gelungener Abend, der sicherlich bald wiederholt wird.